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Sonderbeilage zum 10 Jahr Jubiläum der PDGR

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Jubiläumszeitschrift im Rahmen des 10 Jahr Jubiläums der PDGR.

6 | DIENSTAG, 2. OKTOBER

6 | DIENSTAG, 2. OKTOBER 2012 PSYCHIATRISCHE DIENSTE GRAUBÜNDEN – 10 JAHRE Entwicklungen in der Behandlung von psychisch kranken Menschen Dank Forschung, steter Weiterentwicklung von Behandlungsstrategien sowie dem Aufbau von adäquaten Wohnformen haben Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bessere Aussichten auf ein normalisiertes Leben. Von Cornelius Raeber «Viele Irre im 19. Jahrhundert lebten unter unmenschlichen und miserablen Verhältnissen, und es gab keine therapeutischen Massnahmen oder medikamentöse Wirksubstanzen, um Erregte zu beruhigen», weiss Markus Bünter, der langjährige Co-Chefarzt und Leiter der Geronto-Psychiatrie bei den PDGR, und weist dazu auf ein Buch des berühmten Schweizer Psychiatrie-Reformers Christian Müller hin: «Wer hat die Geisteskranken von den Ketten befreit?», so der Titel des 1998 erschienenen Buches über die Geschichte der Psychiatrie. Arbeiten als Therapieform Schon 1897 schrieb der Arzt Otto Snell in seinem Buch «Die Grundzüge der Irrenpflege für Studierende und Ärzte», dass es für unruhige Kranke kein besseres und ungefährlicheres Mittel zur Herbeiführung von Ruhe und Schlaf gäbe als ein warmes Bad. Für den Extremfall empfahl Snell auch die Anwendung von Zwangs - jacken – was damals auch im Waldhaus eine gängige Massnahme bei der Behandlung von Geisteskranken war. Gemäss ersten Jahresberichten der Klinik Waldhaus Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert wurde ebenfalls schon damals die Arbeitstherapie als ausgezeichnetes Heil- und Beruhigungsmittel bezeichnet. Eine angemessene Beschäftigung sei das beste Mittel, um die Langeweile und die damit verknüpfte gedrückte, reizbare Stimmung zu be seitigen, so der Verfasser dieser Jahresberichte. Eine angemessene Arbeit an einem geschützten Arbeitsplatz hilft erwachsenen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, den Alltag zu meistern. Erste Medikamente «Erst als französische Militärpsychiater während des Zweiten Weltkriegs am Hôpital de la Salpêtrière in Paris feststellten, dass der Arzneistoff Chlorpromazin respektive Largactil bei Patienten mit Manie oder kriegsbedingten Schocks und Stressreaktionen sehr schnell und stark eine beruhigende Wirkung erzielte, wurde ein menschlicher und therapeutischer Zugang zu den Menschen gefunden», sagt Bünter zu diesem Meilenstein in der Geschichte der Psychiatrie. Fünf Gruppen von Krankheiten Die Schweiz sei bei der Erforschung von psychischen Krankheiten ziemlich führend gewesen, erklärt Bünter weiter und erwähnt in diesem Zusammenhang das Burghölzli und Eugen Bleuler, der 1917 als Erster den Oberbegriff Schizophrenie für eine Gruppe psychischer Störungen vorgeschlagen habe. Schizophrenie, eine Krankheit, die relativ konstant auftrete, sei bis zu diesem Zeitpunkt unter dem Namen Dementia praecox zusammengefasst worden. «Bei einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 0,8 Prozent der Bevölkerung erkrankt zirka beinahe jeder Hundertste im Laufe seines Lebens vorübergehend oder länger an Schizophrenie», schätzt Bünter, betont aber auch, dass viele Fälle spontan ausheilen oder dank moderner Therapien langfristig günstig verlaufen würden. Der Psychiater unterteilt die Vielfalt der psychischen Krankheitsbilder in fünf Hauptgruppen: Demenzen, psychotische Erkrankungen, Suchtkrankheiten, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen, zu denen beispielsweise auch die Neurosen gehören. Der Begriff gehe auf den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud (1856–1939), zurück und sei mit der Annahme verbunden, dass sich ein frühkindlicher und im Verlauf des Lebens ins Unbewusste verdrängter Konflikt im späteren Leben durch Symptome wie depressive Verstimmung oder Angst äussere, erklärt der Co-Chefarzt. Sinkendes Bettenangebot «Für die Behandlung der verschiedenen Krankheiten haben sich in der Zwischenzeit die unzähligen psychotherapeutischen Formen und Behandlungsmöglichkeiten stark weiterentwickelt und differenziert», führt Bünter aus und teilt die Heilungsmethoden grob in drei Bereiche ein. «Neben den eigentlichen Psychotherapien und den medikamentösen Behandlungen ist es ebenfalls die Soziotherapie mit ihren erfolgreichen Techniken zur All-

PSYCHIATRISCHE DIENSTE GRAUBÜNDEN – 10 JAHRE DIENSTAG, 2. OKTOBER 2012 | 7 tagsbewältigung, welche eine grosse Hilfe für die Patienten ist», so Bünter weiter. Dazu können zunehmend weitere Behandlungen mit wissenschaftlichem Wirkungsnachweis, seien dies körperbezogene Methoden oder auch Sporttherapien, gezählt werden. Dank steter Weiterentwicklungen der Behandlungsstrategien sei es möglich geworden, die Bettenzahl in den psychiatrischen Kliniken des Kantons von einst über 700 auf noch gut 200 zu reduzieren, inklusive einer Privatklinik auf Topniveau – und Bünter kennt die Gründe dafür. Bessere Versorgung in den Regionen «Die Entwicklung wurde durch eine bessere psychiatrische Primär- und Grundversorgung mit Hausärzten und Psychiatern in den Regionen ermöglicht, wahrscheinlich haben wir bezogen auf die Bevölkerungszahl bald eine der dichtesten patientennahe, psychiatrische Grundversorgung in der Schweiz», so Bünter. Mit der Unterstützung zum Aufbau regionaler ambulanter Aussenstellen und Tageskliniken sei die Politik einem grossen Anliegen der Psychiatrie gefolgt. Dank des breiten und zeitgemässen Angebots der Kliniken Waldhaus und Beverin – inklusive dem Angebot der neuen Privatklinik Mentalva – könne man sich noch besser den zentralen, stationären Behandlungen widmen, so Bünter. Die Folge sei, dass viele psychisch Kranke oder Behinderte ihr Leben nicht mehr in der Klinik verbringen müssen, sondern in Wohngruppen, in Wohnheimen oder sogar zu Hause leben könnten. «Obwohl es keine statistischen Daten dazu gibt, gehen wir davon aus, dass diese Menschen durch eine aktive Teil nahme am alltäglichen Leben eine viel bessere Lebensqualität haben als noch vor einigen Jahren», sagt Bünter und sieht die Psychiatrie in dieser Entwicklung auf dem richtigen Weg. Dank eines dichten Netzes auch in den Regionen eine gute psychiatrische Grundversorgung bereitstellen. Medikamente als hilfreiche Stütze bei der Behandlung von psychisch kranken Menschen. Mit Freude und Stolz eine sinnvolle Arbeit ausführen. WIR GRATULIEREN DEN PDGR ZUM 10-JAHR-JUBILÄUM HealthCare 100 Jahre Kaffeegenuss! dal 1912 www.cafe-badilatti.ch

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